Verehrte Investoren,

Jene, die sich damit beschäftigen, ein klares Bild von den menschlichen Handlungen zu gewinnen, stoßen auf die größten Schwierigkeiten, sobald sie versuchen, einen Zusammenhang zwischen ihnen herzustellen und sie unter einem gemeinsamen Aspekt zu betrachten.1

Michel de Montaigne

waren Sie auch auf dem Fondskongress in Mannheim? Über 6.000 Besucher waren bei der 17. Auflage des Branchen-Events anwesend. Unser Fondsmanager Carsten Burkard war als Referent geladen und erklärte, warum und wie wir auf Prämien statt Prognosen setzen.

Traditionell versuchen wir uns darin, so weit wie möglich die Rolle des außenstehenden Beobachters einzunehmen. Es geht uns darum, Themen zu identifizieren, die innerhalb des Kongress besonders im Fokus stehen – um daraus mit einer gewissen antizyklischen Verve abzuleiten, auf welche Themen wir eben nicht mehr setzen sollten, weil dort schon große Vermögen für das neue Investmentjahr positioniert sind und daher eine Vermarktung der Themenanstoßen. Insgesamt war die Stimmung positiv, fast schon so, als hätte es das Börsenjahr 2018 nicht gegeben.

Indessen hat Chinas Regierung Wirtschaftszahlen für 2018 bekannt gegeben. Das Bruttoinlandprodukt BIP weist mit 6,6% das schwächste Wachstum seit 1990 auf. Die Tendenz ist mit 6,5% im dritten und 6,4% im vierten Quartal rückläufig. Der Handelskonflikt mit den USA erreicht dieser Tage eine neue Stufe, die es gilt, mit Donald Trump zu erklimmen. „Die Finanzkrise wäre dagegen ein Kinderspiel“, so bereits die ersten Kommentare zu den Folgen für die (ohnehin recht maue) Weltwirtschaft.

Auf viele Beobachter wirkt sein Stil brutal. Ob nun im Sinne des spätmittelalterlichen „brutalis“ (dem „unvernünftig“ oder „tierisch“ entspricht), oder im klassisch lateinischen Sinne des „brutus“ („schwerfällig, stumpf, gefühllos“.), sei dahingestellt. Abgesehen davon, dass er andere so charakterisiert („Die EU ist brutal zu den USA“), ist auch zumindest diskussionswürdig, ob er wirklich „unvernünftig“ im Sinne von „irrational“ handelt, geschweige denn „schwerfällig“.

In der Architektur gibt es indessen einen Baustil, der als „Brutalismus“ bezeichnet wird. Es entbehrt nicht einer gewissen Ironie, dass gerade dieser – unter ästhetischen Aspekten – überaus unschöne Stil in allerjüngster Zeit ein beachtliches Comeback feiert. Das Artikelbild, aufgenommen beim Fondskongress in Mannheim, zeigt worum es geht.

Die architektonische Kunst sollte mit diesem Baustil eine Befreiung erfahren und gewissermaßen durch die Einfachheit möglichst kraftvoll wirken. „America First“ lässt grüßen J. Jedenfalls irritiert er dennoch die Märkte. Seine Art, Dinge anzugehen erinnert an „des Aesop Hunde, welche einen toten Körper im Meer entdeckten und weil sie nicht daran kommen konnten, es unternahmen, das Wasser auszusaufen und sich einen Weg auszutrocknen, worüber sie zerplatzten.“2

Gleichwohl starten die Märkte positiv ins neue Jahr. Der deutsche Leitindex für Aktien legt mit 5,82% im Januar deutlich zu – doch: was heißt eigentlich „die Märkte“? Zumindest ist es bemerkenswert, dass alle (normalen) Anlageklassen im Gleichschritt steigen. Andererseits kann man an dem durchaus großen Gold-Anstieg im Januar (+9,42%) in Kombination mit dem deutlichen Verfall der Rendite deutscher Staatanleihen als weiterem „sicheren Hafen“ (zu Beginn des letzten Quartals lagen die 10-jährigen noch bei über 0,5%, wohingegen sie sich aktuell wieder der Null-Linie nähern) den Schluss ziehen, dass viele Marktteilnehmer der Aktienrallye seit Jahresanfang doch ein Stück weit misstrauen.

Der NORD/LB Horizont Fonds hat die Erholung auf breiter Front mit einem Plus von 1,83% mitgemacht. Selektiv haben wir Gewinne eingeloggt, z.B. bei einem USD-Corporate eines brasilianischen Emittenten. Darüber hinaus haben wir im Berichtsmonat keine bedeutsamen Transaktionen getätigt. Unsere Devise ist, so wenige Transaktionen wie möglich, so viele wie nötig, durchzuführen.

Luxemburg, den 11. Februar 2019
Michael Feiten, Florian Konz, Carsten Burkard & Ludwig Schnieders

Michel de Montaigne: „Essais“ (1588), Buch II, Kapitel 1, S. 866.
2 Michel de Montaigne: „Essais“ (1588), Buch II, Kapitel 1, S. 1265.

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